20
Apr
2020
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Fotografie in Corona Zeiten

Fotografieren in Corona-Zeiten

In diesen seltsamen Wochen werden wir von einer bedrückenden Flut negativer Nachrichten überschwemmt, wie gut tut es da mit der Kamera los zu ziehen und die Welt etwas positiver wahrzunehmen. Dadurch wird diese Zeit nicht weniger schwer, aber weitaus erträglicher.

Nur sind die Aussichten etwas knapp für uns Fotografen. Reisen sollen und können wir nicht, andere Menschen fotografieren ist gerade auch kein Thema, selbst etwas längere Ausflüge lassen wir lieber sein. Auf Dauer wird es also etwas öde vor der eigenen Haustüre und die Motive gehen uns aus.

Ist das so?

Keine Frage, wir sind eingeschränkter und begrenzter in unseren Möglichkeiten. Jedenfalls in denen die von außen kommen. Aber was ist mit uns selber? Mit uns als Fotograf und Künstler, als Mensch der sich und seine Welt in Bildern zum Ausdruck bringt?

Wir sind konfrontiert mit einem Thema, das uns eigentlich immer beschäftigen sollte. Wie gelingt es uns den Raum durch verordneten Rückzug zu erweitern?

Ja, dass ist die Frage, die uns in jeder Situation beschäftigen sollte, nicht nur jetzt, es häufig aber nicht tut.

Wahrnehmung kann unsere Antwort darauf sein.

Wenn wir nicht mehr wissen was wir fotografieren sollen, fliegen wir sonst vielleicht nach Island. Keine Frage, es ist ein geiles Land, voller unglaublicher Bilder, aber wenn wir ernsthaft davon ausgehen, dass uns äußere Faktoren einen Ausweg aus unserer künstlerischen Einbahnstraße liefern, sind wir weit länger auf dem Holzweg, als gedacht. So sehr Euch eine Reise inspirieren kann auf dem Weg, so wenig hilft sie, wenn Ihr kein Ziel habt. Ebenso verhält es sich mit bombastischen Locations, abgefahrenen Events oder sündhaft teuren Autos. Sie können enorm viel Spaß machen, fotografisch bringen sie Euch aber nur weiter, wenn sie tief mit einem persönlichen Thema verbunden sind. Sonst sind es „nur“ coole Motive, doch nie berührende Bilder.

Aber wie finden wir zu dieser Persönlichkeit in unserer Fotografie?

Zunächst dadurch, dass wir nur fotografieren was uns wirklich interessiert. Doch was ist das? Häufig fordere ich die Teilnehmer meiner Kurse auf, hinter das Offensichtliche zu sehen. Wenn sie ein Motiv finden, das Ihre Aufmerksamkeit erweckt, sollen sie sich fragen…“was interessiert mich wirklich daran“…und dann: „was interessiert mich wirklich daran? Wer darauf eine Antwort findet, wird oft wissen wie es zu fotografieren ist.

Im Alltag gelingt es uns allerdings häufig nicht, eine Antwort darauf zu finden. Unsere oberflächlichen Bilder im Kopf, coole Motive in Foren, Vergleichsbilder aus Fotobüchern oder GPS Daten angesagter Foto-Hotspots sorgen dafür, dass wir weit besser wissen, an welcher Stelle wir fotografieren sollen, als warum wir es überhaupt tun.

Besinnung und Rückzug ist dann häufig das, was wir brauchen, um neu zu starten, zu uns zu finden und eine Antwort darauf zu erhalten, was uns antreibt. Warum also machen wir die nun „verordnete Auszeit“ nicht zu einer selbst bestimmten Phase der Inspiration?

 

7 Tipps die Dich und Deine Fotografie in Krisentagen weiterbringen.

Wer seid Ihr und warum Fotograf
Was treibt Euch an und ist Eure Motivation zu fotografieren? Es ist keine schlechte Idee sich darüber einmal Gedanken zu machen. Je besser wir uns kennen, desto leichter tun wir uns. Es ist sehr befreiend, wenn wir erst einmal wissen, was uns guttut und welche Bilder wir wirklich mögen. Man muss keine Blumen fotografieren, darf es aber absolut.

Was sind Eure Themen
Wir könnten uns auch auf unsere fotografischen Themen konzentrieren. Den Antrieb zu fotografieren. Mit anderen Worten also, kümmern wir uns um uns, die durch den Sucher sehen und um die Dinge, die uns wirklich interessieren. Lest tolle Bücher, schaut Filme oder alte Kunstdrucke, … Die Vielzahl an Inspirationsquellen ist enorm und sehr oft findet Ihr sie nicht in Facebook und Co.

Kümmert Euch um Eure Mappe
Oder wir überarbeiten endlich unser Portfolio. Druckt die besten Bilder auf gutem Papier aus und macht Euch auf den Weg, Eure Mappe so schön wie möglich zu gestalten. Ihr habt noch keine Mappe? Dann wird es Zeit! Eine Mappe kann pure Inspiration sein, ist eine Bestandsaufnahme Eurer Fotografie und Ausgangsmaterial für jedwede positive Entwicklung. Ihr fotografiert gerne und darum ist es wie eine Beflügelung, die eigenen Bilder nicht nur am Rechner, sondern auf Fine Art Papier in den Händen zu halten oder sie an die Wand zu hängen. Eine einfache Sammelmappe und einige Drucke und fertig ist die erste Mappe. Das ist wirklich kein so großes Ding, macht aber richtig viel Freude.

Verbessert Eure fotografischen Möglichkeiten
Nicht zu wissen warum wir, was, wie, fotografieren, ist die wahre Tragik unseres Fotografendaseins. Doch die absolut stimmige Situation unseres Motives technisch nicht hin zu bekommen ist nicht nur tragisch, sondern darüber hinaus auch noch dumm und völlig überflüssig. Arbeitet an Euren Fähigkeiten. Übt Tonleiter! Ernsthaft, jetzt ist eine ganz wunderbare Zeit, um genau daran zu arbeiten. Lernt die fotografischen Skills, bildgestalterischen Kniffe und technischen Aspekte, die Ihr braucht, um Eure Bilder zu machen.

Ihr wisst aber noch nicht, welche Fähigkeiten Ihr habt und welche noch fehlen, um die Bilder zu machen, die Ihr machen wollt? So geht es uns allen gelegentlich. Dann lasst Euch helfen, fragt einen guten Fotografen (nicht Euren Partner), bucht z.B. ein Portfolio-Coaching (wie gut, dass Ihr eine Mappe habt) oder einen Workshop (gibt´s auch online).

Sucht Euch einen (oder mehrere) fotografische Helden
Jenseits von Instagram und Facebook gibt es auch Menschen, die fotografieren. Blättert mal wieder in Bildbänden und schaut Euch die Portfolios richtig guter Fotografen an. Über die Jahre habe ich für mich wechselnde Favoriten gehabt, Fotografen und andere Künstler, die mich inspirieren und anstacheln. Ich kann es Euch nur empfehlen, Euch auch welche zu suchen. Nicht um sie zu kopieren, sondern um Ihre Fotografie für Euch zu nutzen, sich das abzuschauen was Euch weiterbringt. Wie haben diese Helden gearbeitet, wie setzen Sie Licht ein oder was sind Ihre künstlerischen Zugänge…

Geht raus und übt Tonleiter
Vergesst nicht täglich zu üben. Fotografie ist eben auch ein Handwerk und wer nicht regelmäßig übt wird nicht besser. Je mehr Handgriffe und Techniken für uns selbstverständlich werden, desto freier werden wir für das was wirklich zählt. Unsere Motive. Wenn erst einmal nichts (oder weniger) im Weg ist, werdet ihr eine ganz andere Verbindung zu Euren Bildern bekommen. Keine hinderliche Technik, kein Überlegen wo diese oder jene Taste ist. Einfach nur sehen, verstehen, fotografieren…
Wer es vor seiner Haustür schafft, schafft es erst recht in Island:)

Wer gerne regelmäßig einige inspirierende Übungen möchte, dem lege ich das Foto-Home-Office der Fotoschule ans Herz. Gibts als Coaching oder Kurs. Eine Woche, oder so lang Ihr möchtet, bekommt Ihr täglich (oder in einem anderen Rhythmus) eine Übung und die Bilder werden regelmäßig bei einem Videochat besprochen.

Legt die Kamera auch mal weg
Fotogarfiert ohne Kamera, einfach im Kopf. Oder vergesst das Ding mal ganz und streichelt lieber die Füße Eurer Liebsten. Kreativität entsteht außerhalb der Komfortzone, aber um da hin zu kommen, brauchen wir auch Entspannung. Andere Sachen, die uns beschäftigen und die uns außerdem mit etwas Abstand auf unsere Bilder sehen lassen.

Bleibt gesund und bunt. Ihr wisst ja, bunt geht auch in Schwarzweiß:)
Euer Stefan