30
Jan
2017
12
winterwonderland von Stefan Mayr Fotografie

Winterwonderland

Ich mein, ich hätte es bereits einmal erwähnt, dass der Winter nicht meine liebste Jahreszeit ist. Aber was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?

Der Wind weht mir eisig kalte Luft um die Nase, während die aufgehende Sonne mir ein Gefühl der Wärme vermittelt. Die dicke Eisdecke unter meinen festen Stiefeln knarzt und ächzt. Nur spärlich wärmen mich die dünnen Handschuhe, die ich gewählt habe, weil die Kamera ja noch bedient werden will. Nein MUSS, denn es ist einfach unbeschreiblich schön, an diesem Morgen auf dem Hopfensee. Schon tags zuvor am Plansee, zeigte sich der Winter von seiner Bilderbuchseite, doch der klirrend kalte Wintermorgen am Hopfensee, der fest zugefrorene See und die Berge am Horizont, vermittelt mir das Gefühl durch die Tundra zu wandern. Erhaben, kommt mir in den Sinn und Dankbarkeit. Dankbar für jenes Gefühl die Schönheit der Natur erleben zu können.

Dabei kenn ich diese Gefühl, die Berge vor meiner Haustür (gemessen an der Nordsee sind die Berge in der Tat vor meiner Haustür) gar nicht so richtig zu schätzen. Ach ja, die Berge und „kleinen“ Seen da in den Alpen und dem Allgäu…da kann ich doch auch morgen hinfahren, es ist ja so nah und fotografisch mag ich die Unendlichkeit am Ozean ohnehin viel lieber. Vermutlich geht es einigen Hamburgern umgekehrt mit der Nordsee und den Bergen und Ihre Sehnsucht schweift in die Ferne der Bergwelt. Das ist dann wie mit Island, Schottland oder anderen wahnsinnig schönen Ländern. Wenn unsere Inspiration schwindet und wir nicht recht wissen, was wir gerne fotografieren möchten, dann buchen wir eben eine Reise. Daran ist erst einmal überhaupt nichts einzuwenden, nur funktionieren wird es deswegen noch lange nicht mit den kreativen und tollen Bildern. Nur weil es Island ist, ist es noch lange nicht gut (fotografisch gesehen), denn wahrlich gute Bilder kommen aus Dir und das kann nahezu überall passieren, wenn wir bereit dazu sind…
Was ich damit sagen möchte ist nur: geht raus und macht Bilder. Es gibt so viele wundervolle Motive und Momente, direkt vor Deiner Nase, insbesondere, wenn Dein inneres Visier eingestellt ist. Mir geht es jedenfalls so.

In 2 Wochen fahr ich dann aber doch an die Nordsee, um den Winter zu fotografieren…

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3 Responses

  1. Ja, es gibt einfach keine falsche Jahreszeit. Und selten einen falschen Ort.

    Aber dennoch muss ich in einem widersprechen:

    Das wegfahren in ein anderes Land funktioniert. Und das weniger wegen dem Land, sondern weil man weiter weg ist vom Alltag. Sich auf die eine Sache konzentriert und nicht so viel durch die normalen Täglichkeiten gestört wird. Denn das innere Visier, welches Du so schön ins Spiel bringst, ist dort, wo man immer ist, von zu vielen Störimpulsen sehr anfällig.

    Wo Du recht hast: Einfach rausgehen und Bilder machen. Und wenn dann auch mal kein einziges Bild gemacht wird, dann ist das auch OK, denn man war unterwegs.

    Somit: Viele Grüße und bis bald
    Markus

    1. Stefan

      Du hast zweifelsohne recht: Reisen funktioniert, macht Spaß, schärft die Sinne und bringt einen immer weiter. Und Abstand vom Alltag hilft sicherlich auch. Was ich sagen wollte ist nur, dass diese innere Stimme, das innere Visier die Voraussetzung für wirklich besondere Bilder ist. Wenn dann die innere Stimme in Schottland erklingt und es gelingt „unsere“ Bilder zu machen, ist dies besonders cool:-)