10
Okt
2017
6
Landschaftsfotografie-Lighthouse-Weite

Weite Räume

Wer in den letzten Monaten die FOTO-HITS gekauft hat, hat es vielleicht bemerkt, dass ich da eine Workshopreihe veröffentliche. Jeden Monat ein neues und anderes Thema. Einen Auszug und Variationen werde ich in den nächsten Wochen auch hier immer wieder zeigen. Den Anfang machen „Weite Räume“, macht die Landschaftsfotografie.

Landschaftsfotografie-Haus

GEHE RECHTZEITIG LOS

Der frühe Vogel…kann mich mal. Aber in der Landschaftsfotografie stimmt es eben. Landschaftsfotos werden einfach besser bei wechselnden Lichtverhältnissen, durch längere Schatten und höhere Kontraste, die durch die tiefer stehende Sonne entstehen: Also eignen sich für solche Aufnahmen die morgendliche blaue Stunde zum entstehenden Tag oder der Zeitraum, wenn die Sonne langsam untergeht. Dies bedeutet für Landschaftsfotografen rechtzeitig losgehen – oder/und lange unterwegs sein!
Gleiches gilt für schlechtes Wetter: Die dadurch entstehenden Lichtverhältnisse sind ein Traum für Landschaftsfotografen. Man sollte auf keinen Fall den Augenblick verpassen, wenn die Sonne die Wolken durchbricht und die Landschaft in ein dramatisches Licht taucht. Und dies bedeutet bei Regen losgehen.

Bei meinen Fotoreisen ist es daher selten die Uhr, die meinen Tag einen Rhythmus gibt, vielmehr ist es das Licht.

Landschaftsfotografie-Stativ

NUTZE EIN STATIV

Natürlich werdet ihr mit einem stabilen und robusten Stativ weniger wackeln und schärfere Bilder bekommen, aber darum geht es mir gar nicht in erster Linie. Auch wenn es schwer und umständlich erscheint, so sorgt es nicht nur für einen sicheren Stand der Kamera, sondern macht uns bedächtiger und im Idealfall bewusster für den Bildaufbau. Mit einem Stativ ist man außerdem unabhängig von der Lichtmenge und kann so lange belichten, wie es für das Foto eben notwendig ist. Und darum geht es, keine Kompromisse eingehen was und wie Ihr Euer Bild aufnehmen möchtet. Dies gilt übrigens nicht nur in der Landschaftsfotografie…

Landschaftsfotografie-Schottland

TIEFE IM BILD

Und wenn ich von Tiefe spreche, so meine ich zum EINEN die bildgestalterische Tiefe durch den Bildaufbau und zum ANDEREN eine emotionale Tiefe.

Bildgestalterisch vergleiche ich Landschaftsfotografien häufig mit dem Aufbau einer Geschichte. So eine Geschichte hat eine Einleitung (Vordergrund), einen Schluss (Hintergrund) und einem Mittelteil. Der Vordergrund bringt den Betrachter ins Bild, während ihn der Hintergrund darin verweilen lässt. Eine „flache“ Landschaftsaufnahme ohne guten Vordergrund wirkt banal und langweilig und wir hören uns wieder einmal sagen: „In Wirklichkeit sah es ganz anders aus“. Doch das stimmt nicht, vielmehr fehlte uns nur die Fähigkeit, es in die Sprache der Fotografie zu übersetzen.

Doch auch perfekt aufgebaute Bilder können bisweilen nicht zünden. Nein, sie könne das sogar recht oft nicht tun. Wenn dem so ist, fehlt ihnen nicht selten TIEFE, emotionale Tiefe. Raus aus dem Reisebus und „Klick“ mit dem Smartphone – das reicht für einen Schnappschuss. Gute Fotos aber zeigen mehr: Sie zeigen den Fotografen und das was er gesehen hat, sie erzählen eine Geschichte (dieses Mal inhaltlich und nicht bezogen auf den Aufbau). Um dies zu erreichen, müssen wir das was wir sehen, auf uns wirken lassen, in der Landschaft vor- und zurückgehen, eine höhere oder tiefere Position einnehmen und die eigene Perspektive für das Bild suchen, bis wir es eben haben. Dabei hilft mir mein „Hauptmotiv“ zu kennen, den Grund warum ich gerade jetzt genau dieses Bild machen möchte. Und hier mein ich weniger einen Baum oder Berg (wenngleich das auch mal sein kann). Dieses Motiv platziere ich ganz bewusst und maßgebend im Foto – wenn es ein Baum oder Berg ist – allerdings nicht zwingend formatfüllend und selten mittig. Wer sich als Fotograf bewusst wird, was ihn am Motiv wirklich interessiert, wird die Chance steigern, dass sein Bild auch auf andere wirkt.

Landschaftsfotografie-Nordsee

SUBJEKTIVES AUGE

Die Welt hat keinen Rahmen, unser Bild schon. Und was wir beim Betrachten der Landschaft als unwichtig oder störend ausblenden, ist trotzdem im Foto zu sehen – Strommasten, Abfalleimer und mehr. Die Gefahr, unerwünschte Elemente mit aufzunehmen, ist bei Landschaftsaufnahmen besonders groß, weil ja auch viel auf dem Bild zu sehen ist. Manchmal sind sogar Dinge zu sehen, die gar nicht da sind, weil wir sie nicht ausgeblendet haben. So was gibt es auch…
Wir tragen ja nicht selten einen fetten Rucksack mit uns herum. Neben Objektiven finden wir da die Steuererklärung die noch zu machen ist, den Kontostand, die Einkaufsliste für das Wochenende, Trauer, Wut, Freude…
All das sehen wir in unseren Bildern, davon bin ich überzeugt. Ein kompromissloser Bildaufbau ist für mich daher dadurch geprägt, alle störenden Elemente auszublenden, all das was meinem Motiv nicht hilft, soll auch nicht auf mein Bild. Nicht immer einfach, aber sehr cool wenn es klappt.

Landschaftsfotografie-Herbst

UND IMMER WIEDER DAS „LICHT“!

Und dann noch diese Weisheit, eben erst entdeckt und ganz ganz neu. Ich denke es wird die Fotografie und Landschaftsfotografie revolutionieren! „Fotografieren ist Malen mit Licht“. Licht ist so wesentlich in der Fotografie. Letztlich ist das jedem Fotografen klar und mehr als ein mildes Lächeln und Kopfnicken wird man kaum bekommen auf so eine Aussage. Daher wundert es mich, wie oft es mit begegnet, dass Fotografen überhaupt nicht darauf achten. Wo kommt das Licht her? Was tut es für Deine Geschichte? Wie stehst Du zum Licht?…

Euer Stefan

Landschaftsfotografie-Licht

1 Response

  1. Sehr schön geschrieben!

    Bin ganz bei Dir…den Rythmus der Natur annehmen/aufnehmen und mit dem Licht arbeiten bzw. das Licht spüren (bevor die Sonne durch die Wolken bricht)

    Gruß
    Christian